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Aus Kölner Stadtanzeiger v. 12. Juli 2001

Quellfassung in Blankenheim freigelegt
"Hightech-Anlage des Mittelalters"

Blankenheim - Seit rund zwei Wochen wühlen die Archäologen mal wieder im Blankenheimer Untergrund. Sie suchten nach der Quelle, die im Mittelalter die Blankenheimer Burg mit Wasser versorgte. Nachdem im letzten Jahr der Tiergartentunnel, durch den die historische Wasserleitung verlief, freigelegt wurde, will man nun den oberen Bereich der Anlage rekonstruieren.

Quellfassung Tiergartentunnel in Blankenheim
In einem Hang zwischen dem Neubaugebiet Hohental und dem Waldfriedhof liegt die Quelle von der aus im Mittelalter die Blankenheimer Burg mit Wasser versorgt wurde. In den letzten 14 Tagen legten Archäologen die Quellfassung frei, die zuvor fast komplett mit Erde bedeckt war.

Bei einem Besuch an der Grabungsstelle, die zwischen dem Neubaugebiet Hohental und dem Waldfriedhof liegt, zeigte sich Dr. Klaus Grewe vom Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege begeistert: "Die Quellfassung ist in ihren Resten noch sehr gut erhalten."

Nach 14-tägiger Arbeit legte das Team die Quelle in ihren Umrissen frei. In einem Hang, wo zuvor nur ein Mauerrest aus dem Boden ragte, war man schnell fündig geworden. Zuvor war die ganze Quellanlage mit Erdreich bedeckt, aus dem Büsche wuchsen. Ein Bauer hatte das unscheinbar aus dem Hang plätschernde Wasser mit einem Rohr in einen Trog umgeleitet, um seine Kühe zu tränken.

"Keine Hudeler"

"Ich bin von den Ausmaßen der Quellanlage überrascht", meinte Grewe: Das gesamte Becken erstreckt sich über eine Breite von rund 16 Metern. Die mittelalterlichen Bauherren hatten die Anlage auf einer wasserführenden Schicht aus Ton errichtet. Das "Fangmauerwerk" auf der Talseite musste wasserundurchlässig sein, deshalb wurde es verputzt.

Die Mauer auf der Bergseite hingegen musste das Wasser durchlassen. Dort errichteten die Bauleute im Mittelalter eine Trockenmauer, durch deren Ritzen das Wasser durchrieseln konnte. "Das gesamte Mauerwerk wurde sehr ordentlich gesetzt, da waren keine Hudeler am Werk", lobte Grewe die mittelalterlichen Handwerker.

Quellfassung Tiergartentunnel in Blankenheim
Dr. Klaus Grewe (links) und Jürgen Tzoppe vom Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege sind von den Ausgrabungen begeistert.

Das Becken hat eine Tiefe von etwa drei Metern. Der Wasserstand liegt zur Zeit bei rund 1,20 Metern. Ob dies im Originalzustand auch so war, wissen die Fachleute noch nicht. "Den ursprünglichen Ablauf haben wir noch nicht gefunden", berichtete Grabungstechniker Jürgen Tzschoppe, der die Anlage zusammen mit den beiden Grabungsfachkräften Marie-Luise Bürger aus Mechernich und Klaus Flimm aus Sinzenich freilegt.

Im Unklaren sind sich die Archäologen auch noch über den Sinn und Zweck einer Trennmauer, die das Becken in zwei Hälften teilt. "Vielleicht war dies eine Vorrichtung, mit der das Wasser gesäubert wurde", spekulierte Grewe. Endgültig beantwortet werden kann diese Frage erst dann, wenn die Forscher bis auf den Grund des Beckens vorgedrungen sind.

Auch die Wasserverhältnisse, die in dieser Gegend im 15. Jahrhundert herrschten, sind noch nicht geklärt. Allgemein konnte man die Tendenz beobachten, dass der Grundwasserspiegel in der Neuzeit gesunken ist.

Quellfassung Tiergartentunnel in Blankenheim
Marie-Luise Bürger untersucht die Quellfassung


Die Archäologen rechnen nicht damit, rund um die Quellfassung andere Funde, wie etwa Münzen, zu machen. "Die Menschen haben ja nicht neben der Quelle gewohnt, sondern sich dort nur während der Bauzeit aufgehalten", erklärte Grewe. Lediglich bei den Römern sei es üblich gewesen, ein Quellopfer zu bringen.

Die Archäologen gehen davon aus, dass die Quellfassung um das Jahr 1468 errichtet wurde. Denn dieses Alter hat man auch vor zwei Jahren bei der Untersuchung eines hölzernen Wasserrohres festgestellt. Man könnte zwar auch das Alter des Mörtels untersuchen. Doch ein solches Ergebnis ist nicht exakt, sondern ergibt eine Zeitspanne von plus minus 200 Jahren.

Bis zum "Tag des Denkmals" am 9. September will die Mannschaft die Quellfassung ganz freigelegt und rekonstruiert haben. "Dann wird diese Anlage so schön sein, dass sich ein Besuch lohnt", kündigte Grewe an.

Schautafeln

Die ersten Vorarbeiten hat der "Förderverein der Burg Blankenheim" schon erledigt: Im Frühjahr legte man eine Trasse durch den benachbarten Wald zur Quelle frei, die zur Zeit noch mit Lava bedeckt ist. Nach und nach soll die komplette Anlage mit Wanderwegen und Schautafeln erschlossen werden.

Im Laufe des Sommers wollen die Archäologen aber auch den exakten Verlauf der Wasserleitung zwischen Quelle und Eingang des Tiergartentunnels klären und an einzelnen Abschnitten Grabungen vornehmen. In manchen Bereichen ist man sich über die Lage der unterirdischen Wasserleitung schon im Klaren. So entdeckte man bei einer Magnetometeruntersuchung auf einer Wiese oberhalb des ehemaligen Bahnhofs Überreste der Muffen, die die Holzrohre früher verbanden.

Quellfassung Tiergartentunnel in Blankenheim
Die gesamte Anlage ist etwa 16m breit, das Becken hat eine Tiefe von rund drei Metern (Bilder: Puderbach)

All diese Einzelfunde lassen das Herz des Denkmalschützers höher schlagen. "Es handelt sich um eine wahre Hightech-Anlage des Mittelalters", ordnete Dr. Klaus Grewe die Ergebnisse der bisherigen Forschungen ein: Eine vergleichbare Anlage finde man in ganz Europa nicht. Besonders freut er sich darüber, dass das Ensemble nahezu komplett erhalten ist. "Die Quelle, die Fassung, der Tunnel, Wasserbehälter und Zisterne in der Burg - das ist wirklich einmalig", so Grewe.

Besonders erstaunlich sei, dass der Blankenheimer Burgherr diese Anlage bauen konnte. Denn die Quelle liegt nur ein Meter höher als der 800 Meter entfernte Eingang zum Tunnel, weshalb der Graf eine geschlossene Druckwasserleitung bauen musste.

Grewes Resümee: "Das ging nur, weil der Graf gleichzeitig Geld, Macht und Wissen hatte." Das Vorhandensein dieser drei Vorraussetzungen sei im Mittelalter im weltlichen Bereich äußerst selten gewesen. Zu dieser Zeit hätten normalerweise lediglich Klöster über all diese Mittel verfügt.


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