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Aus Kölner Rundschau v. 14. Juli 2001

Die mittelalterliche Wasserversorgung
Frau Gräfin hätte duschen können

Blankenheim. Macht, Geld, die Notwendigkeit und den richtigen Baumeister zu haben dies sind, so Dr. Klaus Grewe vom Landschaftsverband Rheinland/Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege, die Grundvoraussetzungen, die es möglich machen, eine Wasserversorgungsanlage außergewöhnlichen Ausmaßes zu bauen.

Graf Dietrich III. von Manderscheid-Blankenheim muss all dies gehabt haben, als er, kurz nachdem er im 15. Jahrhundert die Blankenheimer Burg übernommen hatte, die Wasserversorgungsanlage bauen ließ.

Dass der Baumeister, über den nichts näheres bekannt ist, sein Handwerk verstanden hat, ist, so Grewe, klar. Geld, so der Archäologe, hat der Graf von Manderscheid-Blankenheim wohl wie Heu gehabt.

Bleibt noch die Frage nach der Notwendigkeit, eine derartige Anlage bauen zu lassen. Der Grund dafür, so flachste Grewe am Donnerstag, könnte Graf Dietrichs Frau gewesen sein:

Ich komme nur mit nach Blankenheim, wenn ich da auch ordentlich was zu duschen habe.


Dr. Klaus Grewe ist von der Quellfassung, die seit zweieinhalb Wochen ausgegraben wird, begeistert. In Europa gibt es keine ähnlich komplexe und gut erhaltene Wasserversorgungsanlage wie die der Blankenheimer Burg (Fotos: R. Hammes) 


Seit zweieinhalb Wochen arbeiten die Archäologen um Dr. Klaus Grewe daran, die Quellfassung der Wasserversorgungsanlage, die zwischen dem Neubaugebiet Hohental und dem Waldfriedhof gefunden wurde, freizulegen.

Diese Quellfassung ist der Ursprung der Wasserversorgungsanlage. Welche Bedeutung der Staudamm in diesem System hatte, der etwa einen Kilometer Luftlinie entfernt oberhalb der Quelle gefunden wurde, ist nicht bekannt.

Von der Quelle aus wurde das Wasser in einem Druckleitungssystem durch Holzrohre und den im vergangenen Jahr ausgegrabenen Tiergartentunnel zur Burg geleitet.


Die etwa 550 Jahre alten Mauern der Quellfassung reinigte Grabungstechniker Jürgen Tzschoppe.

Im Rahmen der Ausgrabungsarbeiten am Tiergartentunnel hat man beschlossen, das ganze System freizulegen und zu erschließen.

Zu sehen war von der Quellfassung vor den Grabungsarbeiten lediglich eine etwa einen Meter hohe Mauer, die aus dem Boden ragte.

Mit einem Bagger wurde dann zunächst etwas Freiraum geschaffen. Hierbei schaute Grewe dem Baggerfahrer genau auf die Schaufel, damit nichts von den kostbaren Funden zerstört wurde. Danach gingen Grewe, Grabungstechniker Jürgen Tzschoppe und die beiden Grabungsarbeiter Marie-Luise Bürger und Klaus Flimm mit Schaufeln zu Werke.

Schnell wurden die Werkzeuge bedeutend kleiner. Mit winzigen Schäufelchen wurden die Steine von den letzten Erdresten befreit.

Ständig muss Wasser abgepumpt werden

Inzwischen ist ein großer Teil der Quelle freigelegt und Grewe ist von dem, was jahrelang unter der Erde verborgen war, begeistert: Dass die Quelle solche Ausmaße hatte, hätten wir nicht für möglich gehalten, freute er sich über die 16 Meter lange, 1,60 Meter breite und etwa drei Meter tiefe Anlage.

Erschwert werden die Grabungsarbeiten durch das ständig nachlaufende Grundwasser. So steigt der Wasserspiegel in der Ausgrabungsstätte immer wieder an, so dass das Wasser alle paar Tage abgepumpt werden muss, damit die Arbeiten auf dem Grund der Quelle weitergehen können.

Hierbei ist Grewes größte Sorge, dass die wasserführende Tonschicht beschädigt und die Quelle damit zerstört werden könnte.

Eine Anlage wie die in Blankenheim, so ordnet Grewe die Funde ein, finde man in ganz Europa kein zweites Mal. Von der Quelle bis zur Zisterne in der Burg ist das Ensemble beinahe komplett erhalten.


Mit kleinen Schäufelchen befreite Grabungsarbeiter Klaus Flimm die senkrecht stehenden Steine der Drainage von Erde. Die Drainage hielt den Druck des Wassers von der Mauer der Quellfassung fern.

Auch wollen sich die Denkmalschützer noch Klarheit über den genauen Verlauf der Wasserleitung verschaffen. Einige Teile der etwa 800 Meter langen Leitungen sind schon bekannt. Bei einer Magnetometeruntersuchung wurden schon 70 Metallmuffen entdeckt, die die Holzrohre miteinander verbunden haben.

Ob noch Holzrohre gefunden werden oder man anhand von Spuren die Leitung nachweisen muss, ist noch nicht klar. Wahrscheinlich hat die gesamte Leitung bis zum Beginn dieses Jahrhunderts noch funktioniert und wurde erst unterbrochen, als der Bahnhof gebaut wurde.

So lange die Holzleitung kontinuierlich in Betrieb ist, verrottet das Holz nicht. Dies passiert erst, wenn die Leitung trocken liegt.

Beim Bau des Bahnhofs war man auf die Holzleitung gestoßen. Anhand der damals gefundenen Holzstücke wurde auch das Alter der gesamten Anlage bestimmt. Sie stammt aus dem Jahr 1468.

Abdeckung mit Sand kam nicht in Frage

Zwei Möglichkeiten gibt es, so Dr. Klaus Grewe, ein Bauwerk zu erhalten. Die eine Lösung sei, 20 Lkw mit weißem Sand anrücken zu lassen und das Ganze zuzuschütten die Methode, die angewandt wird, wenn kein Geld zur Verfügung steht.

In Blankenheim hat man aber ganz anderes mit der Quelle vor und es ist auch das Geld dafür da: Das Bauwerk wird bis zur ursprünglichen Mauer aufgebaut und wiederhergestellt, so dass es eine weitere Attraktion für Blankenheim werden wird.

Zum Tag des offenen Denkmals am 9. September soll die Quellfassung komplett rekonstruiert sein. Dann soll auch der Weg, dessen Trasse zurzeit nur mit Lava bedeckt ist, freigestellt sein.


Stichwort

Die Quelle wurde auf einer wasserführenden Tonschicht mit Mauern eingefasst: Auf der Talseite musste das Mauerwerk wasserundurchlässig sein, daher wurde hier mit Mörtel gemauert und das Ganze verputzt. Die Mauer an der Hangseite wurde in Trockenbauweise errichtet, damit sie wasserdurchlässig wurde. Zusätzlich wurde im Hang eine Drainage errichtet. Diese senkrecht aufgestellten Steine ergaben dann eine wasserdurchlässige Mauer, die aber den Druck von der eigentlichen Quellmauer fernhalten sollte.

Die Mauern, so Grewe, sind nach antikem Vorbild errichtet worden. Die "Zehn Bücher der Baukunst" von Vitruv stammen aus dem ersten Jahrhundert vor Christus und waren bis auf die Renaissance ein Grundlehrbuch der Baumeister.

Der Ablauf aus der Quelle ins Rohrsystem ist bisher nicht gefunden worden. Bekannt ist die Stelle des Überlaufs, an der überschüssiges Wasser ablaufen konnte. Die Abflussstelle wird unterhalb des Überlaufs vermutet.

Im Rahmen der Ausgrabungen wurde auch festgestellt, dass die Quellfassung au zwei Kammern besteht. Wozu diese Trennwand seinerzeit diente, ist momentan noch nicht bekannt. "Das werden wir aber auch noch feststellen", zeigte sich Grewe zuversichtlich.

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