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Wasser für Burg Blankenheim: vor dem Tunnel eine Druckrohrleitung

Klaus Grewe und Jobst J. M. Wippern

Einer der aufregendsten technikgeschichtlichen Funde des Rheinlandes der letzten Jahre wurde in Blankenheim gemacht (Abb. 110): Bei der Erforschung des Tiergartentunnels des wichtigsten Bestandteils der spätmittelalterlichen Wasserversorgung der Burg, wurde Klarheit über ein Tunnelbauverfahren im ausgehenden Mittelalter gewonnen. Dabei hatte sich gezeigt, daß die Methode des Tunnelbaus sich seit der Römerzeit kaum entwickelt hatte. Auch in Blankenheim war die antike Qanatbauweise, also der Bau eines Tunnels von senkrechten Bauschächten aus, zur Anwendung gekommen, Man hatte im Verlauf der rund 150 in langen Tunneltrasse über den Tiergarten fünf Punkte abgesteckt und dort Schächte von bis zu 15 m Tiefe angelegt, um diesen Aquädukttunnel aufzufahren. Inzwischen sind die aufwendigen Arbeiten zur Wiederherstellung mehrerer Schächte und eines Mundlochs abgeschlossen, und der Tiergartentunnel konnte am 10. September 2000 der Öffentlichkeit übergeben werden. Bei herrlichem Sommerwetter kamen während des ganztägigen Festaktes mehrere tausend Besucher nach Blankenheim, um das in seiner Art einzigartige Bodendenkmal zu besichtigen.

Die Wasserversorgung von Burg Blankenheim war im Jahre 1468 oder kurz danach von Graf Dietrich III. als Bauherr angelegt worden. Kernstück dieser Anlage ist der Tunnel unter dem Tiergarten, an den ein Wasserhäuschen als Zwischenspeicher angeschlossen ist. Von diesem aus führte eine vermutlich unterirdische Leitung zum Wasserbehälter im Burghof und weiter zu einer Zisterne. Dieses Teilstück der Wasserleitung wird Gegenstand von Untersuchungen im Jahre 2N1 sein.

Aber auch der vor dem Tunnel von der Quelle herkommende Trassenabschnitt soll in diesem Jahr untersucht werden (Abb. 111). Denn auf das Jahr 1468 als Baujahr hatte die dendrochronologische Untersuchung eines hölzernen Wasserrohres hingewiesen, das in diesem Trassenabschnitt gefunden worden war (Abb. 113). Das für die Untersuchung zur Verfügung stehende Rohrstück ist einer von insgesamt zwei Holzrohrfunden, die 1910/13 und noch einmal

1938 beim Blankenheimer Bahnhof gemacht worden waren. Schon die Fundlage dieser Rohre deutete darauf hin, daß das zwischen Quelle und Tunnel liegende - und an dieser Stelle 12 m tief eingeschnittene - Tal nicht von einer Gefälleleitung umfahren worden war, sondern daß man sich hier für die Verlegung einer Druckrohrleitung entschieden hatte. Die Zufallsfunde der Rohrstücke (Deichseln) ließen den ungefähren Verlauf der Leitung durch das Tal ohne weitergehende Untersuchungen festlegen. Darüber hinaus gaben sie aber auch bereits einen Hinweis auf die außergewöhnliche Ausführung dieses Siphons, nämlich als Holzrohrleitung (Deichelleitung), die immerhin einem Druck von 1,2 bar standzuhalten hatte. Diese Technik der Rohrverlegung ist außergewöhnlich, denn aus der Antike ist bekannt, daß man Druckleitungen eher aus Blei-, Stein- oder Tonrohren gebaut hat. Auch die Drucklcitungen der mittelalterlichen Klöster hat man in der Regel aus Bleirohren gebaut. Im mittelalterlichen Burgenbau nimmt die Wasserleitung von Burg Blankenheim mit ihrem Tunnel und der Druckleitung ohnehin eine Sonderstellung ein.


Blankenheim. Trassenverlauf der Blankenheimer Wasserleitung.



Blankenheim. Teilstrecke der Blankenheimer Wasserleitung mit Druckleitung und Tunnel.

Wenn auch die Technik der Taldurchfahrung dieser Wasserleitung aus Zufallsfunden ersichtlich war, so blieben weitere Fragen auch zu dieser Druckleitung offen. Da die Fundstellen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bezüglich ihrer Lage nur beschrieben waren, galt es, den exakten Verlauf der Druckleitung zu bestimmen. Darüber hinaus war von Interesse, ob von der Leitung noch Reste im Boden verborgen sind und weichen Erhaltungszustand diese aufweisen.

Um den genauen Verlauf der unterirdisch verlegten Leitung festzustellen, wurde auf einer Weide im ansteigenden Teil der Trasse eine Kartierung des magnetischen Feldes vorgenommen (Abb. 112). Diese Arbeiten fanden im August mit freundlicher Genehmigung des Pächters J. Nelles statt.

Kartierung bedeutet, daß ein Rasterbild ähnlich dem, das wir vom Fernsehen her kennen - aufgenommen wird. Das Rasterbild hat in unserem Fall eine Pixelgröße (= Abstand der Meßpunkte) von 0,25 in (E-W) und 0,5 m (N-S). Für die Messungen wurde ein Gerät der Marke FM36 (Geoscan Research/UK) eingesetzt, Wie die Darstellung der überarbeiteten und zusammengesetzten Meßwerte zeigt, bildet sich die Druckrohrleitung ähnlich einer Perlenkette als Reihe heller Punkte vor dunklem Hintergrund ab. Diese hellen Punkte markieren Bereiche relativ stark erhöhter Magnetisierung, die sich als Auswirkung der eisernen Muffen interpretieren lassen. Mit derartigen Muffen, auch Deichelringe genannt, waren die einzelnen Rohrstücke verbunden, um die Dichtigkeit der Leitung herzustellen.

Neben diesem Befund zeichnet sich eine Gruppe von Anomalien ab (Abschnitt III in der Abbildung), die sich als Reste eines Fundaments, in dem armierte Fertigbetonteile verbaut wurden, deuten lassen. Das Bauwerk wurde vermutlich in den letzten 50- 100 Jahren unmittelbar an dem Weg angelegt und dürfte in bezug auf die Wasserleitung ohne Bedeutung sein.

Betrachtet man die Perlenkette genauer, so lassen sich deutliche Variationen feststellen: Sowohl Stärke als auch Abstand der Anomalien ändern sich mehrfach, Der Abstand der Muffenringe beträgt zumeist zwischen 2 und 2,5 m wie sich in Abschnitt 1 des Befundes erkennen läßt. In dem tiefer liegenden Teil der Leitung treten aber verstärkt deutlich geringere Abstände von ca. 1 in auf (7- B. in Abschnitt 11). Eine Erklärung für diesen Unterschied ist ohne archäologische Untersuchung nicht einfach zu geben. Offenkundig wurde hier eine veränderte Technik angewendet. Ob damit einem Bersten der Leitung vorgebeugt werden sollte oder ob hier Reparaturen durchgeführt werden mußten, werden die weiteren Untersuchungen zu klären haben.

Auch die unterschiedliche Stärke der Anomalien kann mehrere Ursachen haben: So spielt hier neben dem Abstand des Störkörpers (in diesem Fall der Muffen) vom Meßsensor - d. h. der Tiefe der Rohre unter der Oberfläche - auch die Qualität und Menge des Eisens eine ausschlaggebende Rolle. Die Qualität und Menge des erhaltenen Eisens ist Jedoch abhängig vom ursprünglich verwendeten Material und von den Erhaltungsbedingungen.


Blankenheim, Ergebnisse der Magnetometer Messungen.


Um zumindest den Einfluß rezenter Veränderungen der Oberfläche festzustellen, wurde ein Geländemodell angefertigt. Die Höhenwerte dafür wurden teilweise extrem hochauflösend in einem 2-m-Raster aufgenommen. Trotz des großen Aufwandes und einer intensiven Analyse der Daten ließ "Ich aber kein Zusammenhang zwischen dem Relief der Oberfläche und der Stärke der Anomalien nachweisen.

Das Ergebnis der Magnetometermessungen ist für die archäologische Untersuchung der Wasserversorgung der Burg Blankenheim ein außerordentlicher Glücksfall. Hiermit sind für die weiteren Maßnahmen beste Vorgaben entstanden, die auch für die 2001 vorgesehenen Ausgrabungen gute Ergebnisse erwarten lassen. Ob die Holzrohre selbst sich dabei in einem guten Zustand zeigen werden ist ungewiß; wichtige Fragen zur Verlegung einer mittelalterlichen Holzrohrleitung dürften jedoch zu beantworten sein.


Das Holzrohr im Kreismuseum lieferte die Datierung der Blankenheimer Wasserleitung

Literatur: K. Grewe: Licht am Ende des Tunnels. Planung und Trassierung im antiken Tunnelbau, Ant. Welt Sonderh. (Mainz 1998). - DERS., Der Tiergartentunnel von Blankenheim. Arch. Rheinland 1998 (Köln 1999) 1.37ff. -DERS., Der , Tiergartentunnel von Burg Blankenheim Rhein. Kunststätten 455 (Neuss/Köln 2000).


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